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Mai 30, 2011 Posted by phatcrispy in NEWS

Phat Crispy Interview mit HHNOISE.COM

In Zeiten der musikalischen Rezession, wo viele sich beklagen und jammern, muss man seine Augen offen halten für neue Geschäftswege. Vor allem muss man eines: hart arbeiten. Der Kölner Produzent Phat Crispy hat diese Maxime verinnerlicht. Als Hausproduzent von Eko Fresh bietet er auf Soundclick.com seine Instrumentals an und ist regelmässig in den Plattform-Charts unter den Top-Produzenten dabei. Phat Crispy im Interview über die Arbeit und den täglichen Hustle als Produzent.

Du hast ja mal gerappt und auch einige Releases als Rapper gehabt, dann hast du aufgehört. Warum?

Irgendwann habe ich gemerkt, das ich mit dem Rappen nur bis zu einem gewissen Punkt komme und nicht darüber hinaus. Ich habe seit ich elf oder zwölf war immer meine Texte geschrieben und gerappt. Mit dem Produzieren habe ich auch schon sehr früh angefangen und dadurch immer über meine eigenen Beats gerappt, daraufhin kamen sehr viele Anfragen von Leuten die Instrumentals brauchten. Da habe ich gemerkt, das ich durch das produzieren viel mehr Leute erreichen kann, denn Musik ist ja eine universelle Sprache. Mit diesem deutschen Rap Ding erreichst du halt nur eine begrenzte Anzahl von Leuten und mit guten Beats sprichst du auch Leute aus Russland, Türkei oder den USA an. Im letzten oder vorletzten Jahr kam dann für mich der Scheideweg, ich habe dieses Rap Ding einfach nicht mehr so gefühlt. Mit den Beats war das Feedback auch um einiges größer und du musst dir an einem Punkt darüber klar werden was du willst. Irgendwann stellt sich nämlich die Frage, möchte ich normal arbeiten gehen oder mein Ding durchziehen, und das ist mit dem Produzieren um einiges realistischer als mit Rap. Du kannst diese Sache mit den Produktionen ja auch viel länger betreiben als ein Rapper und du bist flexibler. Ich könnte morgen z.B. auch RNB oder Popmusik machen, wenn ich wollte. Mit dem Rappen war es im nach hinein aber auf jeden Fall von Vorteil für mich, denn ich sehe die Sache ja auch immer noch aus der Perspektive eines Rappers. Der Einstieg in die Instrumentals ist da durch oft leichter für die Künstler, da ich ihre Arbeitsweise kenne und verstehe.

Arbeitest du eher mit Hardware oder Software?

Also hauptsächlich auf Software Basis, ich habe hier zwar auch viel Hardware, aber mit der Software ist alles viel einfacher. Mit diesen MIDI Geschichten und so, kannst du viel schneller deine Ideen umsetzen und die Qualität der Plug Ins ist richtig gut geworden. Außerdem ist das auch alles viel erschwinglicher, du brauchst heute nicht mehr unbedingt ein SSL Mischpult um einen geilen Sound zu fahren.

Du lebst ja mittlerweile komplett von deinen Produktionen. Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Das ist sehr viel Arbeit, du hast ja keine festen Arbeitszeiten. Ich fange morgens mit einem Kaffee an, dann geht es ins Studio, Rechner anwerfen, Samples diggen usw. Ich habe auch noch diesen Online-Shop auf Soundclick.com und da muss ich permanent E-Mails beantworten und Beats verschicken. Teilweise arbeite ich so um die 14-15 Stunden am Tag und es geht oft bis spät in die Nacht, manchmal habe ich erst um vier Uhr morgens Feierabend.

Rentiert sich das denn im Gegensatz zu einem regulären Job?

Also ich kann nicht klagen. Man muss aber auch wirklich was tun und du kannst nicht mal eben Chillen oder so, wie sich das ja immer viele vorstellen. Das kann schon sehr anstrengend sein, wie gesagt du gehst nicht morgens um sieben Uhr raus und kommst um vier Uhr wieder nach Hause. Du musst flexibel sein, es ist ja kreatives Arbeiten und nicht einfach nur einen Nagel in die Wand schlagen. Manchmal machst du auch ein bis zwei Tage an irgendwelchen Beats herum und dann denkst du dir auf einmal was ist das, dass kann ich niemandem zeigen. Dann läuft es ein andermal wieder wie am Schnürchen. Normal arbeiten zu gehen ist auf jeden Fall um einiges leichter und sicherer, denn du hast auch immer ein enormes Risiko als Selbstständiger. Aber es ist Cool und diese Arbeit macht mir sehr viel Spass.

Wie wichtig ist das Internet für deine Arbeit?

Sehr wichtig, ich verkaufe ja überwiegend über das Internet, hauptsächlich in die Staaten. Die Amis sind sehr viel Online unterwegs und shoppen darüber ihre Instrumentals. Die Künstler haben da eine andere Einstellung zu solchen Dingen und kaufen sich teilweise Beats wie andere Leute Sneakers.

Auf Soundclick.com kann man deine Produktionen leasen und die Exklusivrechte kaufen, erkläre das mal genauer.

Du kannst einen Beat für einen kleinen Betrag leasen, der Beat ist dann nicht exklusiv, dass heißt, das Instrumental kann auch an andere Künstler weiter verleast werden. Du hast bei der Leasing Geschichte, bestimmte Rechte oder Pflichten je nachdem wie man das sieht. Wenn du ein Instrumental least, darfst du damit eine Auflage von bis zu 2000 Kopien machen und das Instrumental für einen kommerziellen Zweck benutzen. Exklusiv, bedeutet das der Beat nur an eine Person oder eine Gruppe verkauft wird, dieses Instrumental ist dann komplett frei von Auflagen und hat kein Verkaufslimit, du kannst dann im Prinzip damit machen was du willst.

Kann ich theoretisch also noch weitere Spuren hinzufügen?

Bei den geleasten Instrumentals bekommtst du das als kompletten Mixdown und da wird gar nichts mehr verändert, der Beat ist auch schon vorarrangiert. Bei den Exklusiven Instrumentals bekommst du die Audiospuren einzeln im Standard 24 Bit Format zugeschickt, so das du das professionell arrangieren, mischen und mastern kannst. Verändern darfst du nichts, oder nur nach Absprache. Im Grunde ist das nicht Usus, aber ich würde mich da jetzt auch nicht verschließen. Ich bin immer offen für neue Ideen, bisher ist es aber noch nicht vorgekommen und bis heute ist auch noch niemand mit dieser Frage zu mir gekommen, aber warum nicht. Das letzte Wort liegt in dem Fall aber immer bei mir, denn du kannst nicht einfach irgendeine wacke Gitarre einspielen und meinen Namen da drunter schreiben. Mit so einem Beat will ich dann nämlich nichts mehr zu tun haben.

Wie sieht es denn mit dem Urheberrecht aus, bleibt das in jedem Falle bei dir? Da gibt es ja Stories aus den USA, wo das durch den Verkauf schon mal verschwindet.

Natürlich, das Urheberrecht bleibt bei mir und mein Name muss in den Credits angegeben werden.

Wieviele Exklusive Instrumentals verkaufst du denn so im Schnitt pro Monat?

So zehn bis fünfzehn Stück im Monat, mal mehr mal weniger. Natürlich wird immer mehr geleast, aber das Kleinvieh macht auch Mist. Außerdem habe ich einen Vertrag mit einem der größten Anbieter für Samplepacks und Audioloops und dadurch kommen auch viele Aufträge rein.

Du hast ja grade gesagt das viele Künstler aus den USA deine Beats kaufen, sind die deutschen Beats billiger?

Nein, die Preise sind alle ungefähr im gleichen Rahmen, ein Amerikanischer Produzent nimmt das gleiche wie ein Deutscher.

Für welche Künstler hast du da produziert?

Bei diesen Internet Geschichten sind das meist irgendwelche Underground Künstler aus den USA, nicht unbedingt namhafte Leute und die benutzen die Produktionen zum Grossteil für ihre Online Releases. Ansonsten habe ich für Ceza, Eko Fresh, Farid Bang, Massiv, Sentino, Bass Sultan Hengzt, Summer Cem und Sinan G produziert.

Wie ist denn die Bereitschaft bei den deutschen für Beats zu zahlen?

Bei den deutschen Rappern ist das schon weniger, die haben ganz einfach auch viel weniger Releases. Besonders am Anfang musst du hier viel raus hauen um an deine Referenzen zu kommen und da kannst du auch keine utopischen Preise verlangen. Heutzutage verdient ja eh keiner mehr wirklich damit, jeder hat halt seine Deals und Vereinbarungen und über das Internet geht schon wesentlich mehr.

Ich gehe doch mal davon aus das ein Eko schon damit verdient, umsonst wird der doch nichts releasen.

Die Rapper verdienen aber allgemein kaum noch an den Releases, die Verkäufe machen nur noch einen ganz geringen Teil der Einnahmen aus. Das Geld kommt eher über die Live Gigs oder das Merchandising und das ganze drum herum rein. Die GEMA lohnt sich mittlerweile auch nur noch, wenn du eine Single hast die auch von Viva oder MTV gespielt wird und die Airplays im Radio sind ja auch sehr wenig geworden, was deutschen Hip Hop angeht.

Bist du mittlerweile denn fest bei German Dream.

Ja, für Eko habe ich viel gemacht und wir arbeiten auch momentan wieder an neuen Sachen. Wir haben uns damals bei dem Videodreh zu "This is Cologne" kennengelernt, zu der Zeit als ich auch noch selber gerappt habe. Die Zusammenarbeit läuft richtig gut und es wird noch einiges kommen, wir arbeiten kontinuierlich an neuem Material.

Du verdienst auch durch das Aufnehmen von anderen Künstlern, ich habe ein Video gesehen wo du Glasses Malone von Cash Money recordest. Wie läuft das, machen die alle Stopp zum Aufnehmen in deinem Studio wenn die in Köln sind?

Richtig, Glasses Malone hat bei mir seine Verses aufgenommen, genau wie Lil Flip und andere. Durch das Studio habe ich oft Gäste aus Übersee, in Köln gibt es nämlich sehr wenige Studios und dadurch spricht sich das schnell herum. Das Golddigger Studio ist also schon noch eine weitere Einnahmequelle für mich, mittlerweile habe ich das Studio aber wieder von Zollstock zu mir nach Hause verlegt. Und um ehrlich zu sein Produziere ich lieber, als das ich andere einfach nur Aufnehme, mir gefällt diese Arbeit nicht wirklich.

Unterscheidet sich denn die Arbeitsweise der Amis zu den deutschen?

Da ist im Grunde wenig Unterschied, es kommt da eher auf den Künstler an.

Du verkaufst überwiegend Dirty South Sachen, hier in Deutschland war das ja eher eine Phase.

Dirty South ist drüben nach wie vor on Top, die haben dieses Clubding und das funktioniert da auch richtig. Die Deutschen picken auch meist ganz andere Sachen als die Amis, das ist ein komplett anderer Lifestyle. Viele Sachen die ich mache kannst du denen gar nicht anbieten. Deutsche mögen eher so düstere Sachen, harte Drums und böse Melodien, was ich aber auch produziere und feier, aber die Leute sind hier nicht so experimentierfreudig. Oft denke ich, das ein bestimmter Beat der Banger werden könnte, aber das landet nie auf deren Releases. Die Amis feiern zu den Sachen und der deutsche Hip Hop findet ja ganz selten im Club statt, drüben ist das halt komplett anders mit der Club Kultur. Ich weiß auch nicht warum das so ist. Ich höre z.B. sehr oft von den Leuten, dass die deutsche Sprache zu hart klingt für solche Geschichten.

Hast du nie darüber nachgedacht in die USA zu gehen?

Das würde für mich überhaupt keinen Sinn machen. Erstens bist du da nur einer von vielen, denn da drüben gibt es wirklich gute Leute und davon nicht grade wenige. Zweitens muss du dir dann wieder eine Basis aufbauen also quasi bei null anfangen, du brauchst dann erst mal wieder neue Strukturen und Kontakte. Über das Internet ist das alles viel leichter und angenehmer. Im Endeffekt haben die großen Produzenten ihr Revier auch schon abgesteckt, du kannst mit solchen Leuten wenn du Glück hast vielleicht auch arbeiten, aber du bleibst immer für die dann wahrscheinlich eher der Handlanger und wirst dann eventuell mal als Co Producer aufgeführt.

Welche Produzenten feierst du denn selbst?

Auf jeden Fall Dr. Dre, er macht sehr langlebige Produktionen seine Sachen sind immer perfekt, das ist einfach das Nonplusultra in meinen Augen. Er hat einfach einen Originalen Sound und innovative Ideen, alles ist richtig krass abgemischt. Aus Deutschland mag ich Monroe, er ist auch sehr innovativ und hat geile Drums, außerdem hört man bei ihm raus das er sich nicht von außen beeinflussen lässt. Sein Sound ist auf keinen Fall irgendein Ami gebite. Das ist ja auch sehr wichtig bei einem Produzenten, das er einen eigenen Sound hat. Deshalb höre ich auch nur noch wenig Musik, denn du wirst dadurch immer irgendwie beeinflusst, egal ob bewusst oder unbewusst. Ich versuche deshalb fremde Einflüsse auszublenden.

Das "Rock That" Video wurde in Dubai gedreht. Wie ist es dazu gekommen?

Das kam durch einen Kollegen zustande der eine Tuningfirma hat, welche mir damals auch mein allererstes Video ermöglichte. Dieser Freund, ist dann damals mit seiner Tuning Firma nach Dubai gegangen und hat dort mit einer ansässigen Firma fusioniert. Irgendwann kam die Idee auf ein Video zu machen und damit auch diese Firma zu pushen und ja, dann wurden wir zusammen mit den Jungs von Street Cinema nach Dubai eingeladen und haben dieses Video gedreht. Ich habe mir dann noch einen Kumpel aus den Staaten dazu geholt, den C.B. weil das ganze nur mit deutschem Rap einfach nicht funktioniert hätte. Das war schon Hammer, diese Kulisse in der Wüste und dieses Hip Hop Ding mit den getunten Autos hat schon gut zusammen gepasst. Es steckte aber jetzt keine tiefere Message dahinter das war einfach representen und Spaß haben. Ich war danach noch mehrmals da, wir haben ja noch ein anderes Video gemacht und einige Auftritte gehabt.

Ich geh mal davon aus, dass man da mit Auftritten gut verdient.

Dubai kannst du mit nichts vergleichen, was da abgeht sind ganz andere Dimensionen von der Gage, dem Feiern, der Unterkunft und allem. Wir sind immer noch connectet mit den Jungs da und ich werde demnächst mal wieder rüber gehen, die Jungs kommen bald wohl auch mal nach Deutschland.

Im Vorgespräch hast du mir gesagt, das dir zwei Seiten Interview reichen würden. Ich habe gestern mit Illthinker gesprochen und das war ähnlich. Warum diese Bescheidenheit?

Ich weiß nicht, ob sich der normale Leser dafür interessiert was so ein ein Produzent im Hintergrund macht. Mittlerweile ist das Interesse schon ein bisschen größer geworden aber ob das reicht um etliche Seiten damit zu füllen, bezweifle ich. Seh das mal so: Im Rap sind wir ja nicht die Hauptakteure.

Interview: Soren Geifroeg
Foto: Vasily Konstantin
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